Brautgeld in Thailand

Heirat in Thailand

Bei einer Heirat mit einer Thaifrau ist ein Brautgeld üblich.

Ja, du hast richtig gelesen! In Thailand ist es üblich den zukünftigen Schwiegereltern und damit der Familie der Angebeteten ein Brautgeld (sinsod oder สินสอด) zu zahlen. Im Internet kursieren die unterschiedlichsten Aussagen zum Brautgeld. Einiges davon ist wahr, anderes wiederum völlig an den Haaren herbeigezogen. Daher wird es Zeit diesbezüglich aufzuräumen und eine aktuelle Zusammenfassung zu schaffen. Ich trage daher hier für dich alle Informationen zusammen und lasse meine eigenen Erfahrungen aus Gesprächen mit Thais mit einfließen.

Warum? Weshalb? Wieso?

Erst einmal muss man verstehen, dass in Thailand die Uhren nun einmal anders ticken. Was für uns unvorstellbar ist und wie ein Kauf einer Frau wirkt, wird in Thailand von vielen Familien als Absicherung, Aufwandsentschädigung für den Verlust einer Arbeitskraft verstanden und als völlig normal angesehen. Zudem gibt es in Thailand keine Alters- bzw. Rentenzahlungen des Staates an alte Leute. Das Überleben der Eltern regeln ausschließlich die Kinder. Weiterhin hat man über die Jahre viel Geld in die Tochter investiert und will für Kosten und Mühen entlohnt werden. Wir sind es aus Europa eher gewöhnt, das der Brautvater seiner Tochter eine Aussteuer mit in die Ehe gibt.

Hinzu kommt eine symbolische Bedeutung: Das Zahlen des Brautgelds zeugt vom Respekt gegenüber der Familie der Braut. In Thailand ist hoch angesehen wer Geld hat und materielle Werte spielen eine ganz andere Rolle, als wir das in Europa gewohnt sind.

Zusätzlich zum Brautgeld ist es üblich Goldschmuck zu überreichen. Die Gattin bekommt eine Goldkette um den Hals gelegt. Ein klassisches Brautgeschenk in Thailand.

Das Brautgeld samt Goldschmuck wird nicht selten in Anwesenheit des ganzen Dorfes und allen Hochzeitgästen überreicht. Geld und Reichtum verleihen der Familie in Thailand ein Gesicht. Daher soll jeder mitbekommen, was der Bräutigam an Geld- und Goldgeschenken überreicht. Dabei wird Schein für Schein gezählt, was entsprechend lang dauern kann, denn der 1.000 Baht-Schein ist der „größte“ Geldschein in Thailand.

Muss in Thailand noch Brautgeld gezahlt werden?

Brautgeld (Sinsod) und Goldschmuck

Brautgeld (sinsod) und Goldschmuck als Geschenk bei einer thailändischen Hochzeit. Foto: „Thai Bride Price 2008“ by Tainscough at English Wikipedia. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass das Zahlen eines Brautgelds keine Pflicht in Thailand und damit nicht immer notwendig ist. Es ist ein gängiger Brauch, aber immer mehr Familien verzichten auch darauf. Eine wichtige Rolle spielt, ob die Liebste bereits verheiratet war und / oder Kinder hat. In diesem Fall ist es nicht mehr üblich ein Brautgeld zu zahlen. Es handelt sich quasi um „Gebrauchtware“…

Völlig irrelevant ist, woher die Zukünftige stammt. In diversen Internetforen kursieren Gerüchte, dass das Brautgeld nur im Isaan zu zahlen ist. Das ist Quatsch. Aufgrund der Armut ist der Brauch dort ggf. weit verbreitet und wird eben aufgrund der Schwierigkeiten intensiver praktiziert.

Die Höhe des Brautgelds

Wie viel Brautgeld gezahlt werden muss hängt im Wesentlichen von der sozialen Stellung der Familie der Liebsten ab. In der High-Society Thailands fließen schon einmal mehrere Millionen zu den zukünftigen Schwiegereltern. Auf dem Land bei einfachen Familien sind 20.000 – 100.000 Baht üblich. Bei der Heirat mit einem „reichen“ Ausländer werden deutlich höhere Summen verlangt. 1-2 Millionen Baht sind keine Seltenheit, wenn auch maßlos übertrieben. Wie hoch das Brautgeld am Ende wirklich ist, hängt neben den o.g. Faktoren auch vom Verhandlungsgeschick des Brautpaares ab. Viele Thais und sicher auch einige Ausländer – viele davon sicher blind vor Liebe – verschulden sich daher bis über beide Ohren.

HinweisEinige clevere Ausländer sind der klassischen Zahlung entgangen und haben stattdessen Geld in den Familienbetrieb mit Gewinnbeteiligung investiert.

Alles Schall und Rauch?

Hin und wieder hört man, dass bei der Hochzeitszeremonie das Geld nur symbolisch überreicht wird. Das Brautgeld wird samt Goldschmuck feierlich übergeben, am Ende bekommt es das Brautpaar aber unbemerkt zurück. Das kommt nicht nur bei Hochzeiten mit Thais, sondern auch bei der Vermählung von einer Thaifrau und einem Ausländer vor. Mir ist selbst ein Fall bekannt, indem ein Deutscher eine kinderlose Thai geheiratet hat und das Brautgeld nur symbolisch überreicht wurde.

Finanzielles Risiko?

WichtigMan sollte sich bewusst machen, dass eine Heirat in Thailand oftmals mit ganz anderen Motiven als in Deutschland verbunden ist. Eine soziale Absicherung, wie wir das von Deutschland gewohnt sind, kennen die Thais nicht. In Thailand gilt die Heirat daher vor allem als finanzielle Absicherung der Liebsten und ihrer Familie.

Wenn die Ehe nach kurzer Zeit wieder scheitert, gibt es keinen Anspruch auf Erstattung des gezahlten Brautgelds. Ein guter Freund (Thai) hat für seine Ex-Frau! aus Hat Yai im Süden Thailands mit Goldschmuck, Hochzeitfeier und allen drum und dran 1 Million Baht bezahlt! Nach 2 Jahren war die Ehe vorbei.

HinweisFür die Ex-Frau besteht aber auch kein Anspruch auf Unterhaltszahlungen, wodurch das finanzielle Risiko am Ende deutlich geringer ist als bei einer Heirat in Deutschland.

Nicht vergessen sollte man aber, dass man mit einer Thaifrau auch die gesamte Familie heiratet. Es ist sehr wahrscheinlich, dass jeden Monat Unterstützung in Baht von den künftigen Schwiegereltern erwartet wird.

Fazit

Auf den ersten Blick scheint so ein Brautgeld für Europäer unnötig und abstoßend zu sein. Bei einer genauen Betrachtung macht dieses aber durchaus Sinn und dient der sozialen Absicherung, die sonst in Thailand fehlt.

Die Höhe des Brautgelds ist abhängig vom sozialen Status der thailändischen Familie und den Lebensumständen der Partnerin. Es gibt regionale Unterschiede, aber der Brauch ist landesweit verbreitet. Bei erneuter Heirat oder Kindern aus einer anderen Ehe ist der Brauch nicht üblich.

Video: Thailändische Hochzeitszeremonie mit Geldübergabe

Was heißt (Guten Tag & Auf Wiedersehen) auf Thai?

Wenn ein Mann spricht:

sa \ wa[s]) \ dii - krabb /สวัสดีครับ
สวัสดี (Guten Tag) ครับ (Höflichkeitspartikel)

Wenn eine Frau spricht:

sa \ wa[s]) \ dii - ka สวัสดีค่ะ
สวัสดี (Guten Tag) ค่ะ (Höflichkeitspartikel)

Das "s" wird zwar geschrieben, aber nicht ausgesprochen. Wenn Du willst, kann Du jetzt kostenlos noch mehr lernen.


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  1. Hallo
    , ich behaupte mal dass es bei einer Farang-Thai Ehe nicht generell üblich ist Brautgeld zu bezahlen – ich halte es eher für ein „Auslaufmodell“. Die Familie erwartet nach der Eheschliessung sicherlich eine (dauerhafte) Unterstützung – so läuft nun mal das thailändische „Rentensystem“. Vor einer Eheschliessung mit seiner Gattin ausgibig diskutiert und geregelt (evt
    . Brautgeld sowie die Höhe der Unterstützung) sind Pflicht.

  2. Leider ausserhalb Bangkok noch die Regel, vor allem im Isaan. Mittlerweile sind es 4 Mio. (knapp über 100.000 €) üblich für eine junge 18-22 und jungfräuliche Thai… es wird sogar systematisch so gehandhabt, dass vor der Heirat nichts geht. Ich date schon seit 2 Jahren junge Thais (max. 23, bin selbst noch u30) und habe schon einige Erfahrungen hinter mir. Wenn die Familie von anfang an dabei war, wurde ich ausgenutzt. Ältere ab 27 und Bangkokerin sind (bis jetzt) safe.

    • Gerrit, aber Du weißt schon, dass Thais gerne handeln, oder? So das Doppelte, was sie aufrufen wollen sie haben.

      In meinem Fall wollten die Schwiegereltern 1,5 Mio. THB (Tochter sieht sehr gut aus und hat MBA).
      Einig geworden sind wir uns bei 400,000 THB (ja, ich kann mit Thais verhandeln! 🙂 ).

      • Also 4 Mio THB ist vollkommen uebertrieben! Das ist alles andere als ueblich ausser das Maedel kommt aus einer sehr reichen Familie und hat einen sehr angesehen Beruf. Das wirst du aber bei einer 18-22 jaehrigen nicht finden.

        Und die reichen Thais heiraten sehr selten einen Auslaender. Schon gar nicht einen, der keine 4 Millionen aus der Portokasse zahlen kann:)

        • Stimmt, 4 Millionen Baht ist aber zu viel für die normalen Familie. Die reichen Thais heiraten sehr selten einen Ausländer, der keinen reichen Geschäftführer ist.

  3. Meine Freundin ist Thai, arbeitet in Doha für Qatar Airways. Ich selber bin geschieden (Frau hatte erst betrogen und dann die Ehe verlassen) und bin glücklich wieder. Ich kenne die ganze Familie, war mehrfachbdort, sehr gut gestellt, aber nicht reich. Denke aber Oberschicht. Alle Lehrer (Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel etc) d. H. Auch im Alter abgesichert. Es steht eine Summe im Raum von 1 Mio Baht. Ca. 25k Eur. Ich habe dieses Geld nicht. Ich habe damals mit meiner ex Frau ein gutes Investment in eine vermietete Eigentumswohnung vorgenommen, dort steckt also mein Geld. Ich verstehe deren Anspruch, wenn gleich ich nicht verstehe, wie sich normale Thai Familien das leisten können. Ich verdiene durchaus gut mit 5300 Brutto, aber regelmäßig könnte ich maximal 500 oder 600 EUR sparen. Von meinen Eltern brauche ich keine Hilfe erwarten, denn Sie sagen, auch verständlich, dass es beim Heiraten um die Liebe gehen sollte. Region ist ca. 30 Min südlich von Buriram (wo ich auch jetzt gerade bin). Ehrlich gesagt keine Ahnung wie es weitergeht mit uns. Trotz aller Liebe haben wir erst mal entschieden (ich bin bei Lufthansa und kann billig fliegen) dass ich nicht mehr herkomme, da sie wegen den Nachfragen Ihrer Familie massiv unter Stress steht. Kann gut sein, dass wir daran zerbrechen. Das kann ich jedem nur mal als Feedback mitgeben…

Was denkst du?